Akutspitäler der Deutschschweiz: Wo Zentrums-, Grund- und Spezialversorger 2023 stehen
Die 108 Akutspitäler der Deutschschweiz haben 2023 deutlich schwächer abgeschlossen als im Vorjahr. Das Jahresergebnis sank bei 81 von 104 Spitälern, die Veränderung je Spital lag im Median bei −2.4 Prozentpunkten. 71 von 106 Spitälern schrieben vor Defizitdeckung einen Verlust, 2022 waren es 48 von 104. Am schwächsten stehen die Grundversorger da: Von den Regionalspitälern der Niveaustufe 3 schlossen 10 von 11 mit Verlust ab, bei den kleineren Grundversorgern 21 von 24.
Fünf Spitaltypen
Ausgewertet sind die 108 Akutspitäler der Deutschschweiz, die das BAG für 2023 ausweist. Sie sind nach der Spitaltypologie des Bundesamts für Statistik eingeteilt, wie die Vergleichsgruppen im Spitalvergleich: 32 Spitäler der Zentrumsversorgung, 12 Regionalspitäler der Grundversorgung Niveau 3, 24 kleinere Grundversorger der Niveaustufen 4 und 5, 26 chirurgische und 14 übrige Spezialkliniken. Universitätsspitäler, Kinderspitäler und Geburtshäuser sind nicht enthalten. Massgebend ist der Spitaltyp im jeweiligen Jahr.
Niveau 3 bis 5 bezeichnet die Stufen der Grundversorgung nach Grösse und Leistungsumfang, von den grösseren Regionalspitälern bis zu den kleinen Grundversorgern. Zu den übrigen Spezialkliniken gehören unter anderem geriatrische Kliniken.
Das Ergebnis: Die Grundversorger stehen am schwächsten da
Über alle Akutspitäler der Deutschschweiz sank das Jahresergebnis im Median von +0.5 % auf −2.5 % des Ertrags. Die fünf Spitaltypen entwickelten sich unterschiedlich:
- Regionalspitäler, Niveau 3: Das Ergebnis drehte im Median ins Minus. 10 von 11 Spitälern schrieben einen Verlust, im Vorjahr waren es 3.
- Grundversorger, Niveau 4 und 5: Schon 2022 im Minus, 2023 noch etwas tiefer. 21 von 24 Spitälern schlossen mit Verlust ab.
- Zentrumsversorgung: Das Ergebnis sank im Median weiter ins Minus, die Zahl der Spitäler mit Verlust stieg von 17 auf 23 von 32.
- Spezialkliniken: Sie blieben im Median im Plus. Doch auch bei den chirurgischen Kliniken stieg die Zahl mit Verlust, von 7 auf 11 von 25.
Das BAG weist das Jahresergebnis vor einer allfälligen Defizitdeckung durch Träger oder öffentliche Hand aus. Ein Verlust in den Kennzahlen kann deshalb im Abschluss des Spitals gedeckt sein.
Ambulanter Anteil: rund ein Drittel der Kosten
Bei den allgemeinen Spitälern fällt rund ein Drittel der Kosten bereits ambulant an, bei den chirurgischen Spezialkliniken rund ein Fünftel. Von 2022 auf 2023 hat sich der Anteil bei den allgemeinen Spitälern kaum verschoben, ausser bei den kleineren Grundversorgern: Dort ist er spürbar gestiegen.
Anteil der ambulanten an den gesamten Kosten des Akutbereichs, ambulant und stationär zusammen.
Personal: Belegarztmodelle verschieben das Bild
Bei den allgemeinen Spitälern macht der Personalaufwand rund 60 Prozent des Aufwands aus, der Pflegeanteil liegt in fast allen Typen um 41 Prozent. Der Personalaufwand pro Vollzeitstelle steigt mit der Versorgungsstufe: In der Zentrumsversorgung liegt er höher als bei den kleineren Grundversorgern.
Die chirurgischen Spezialkliniken fallen aus dem Rahmen: Der Personalaufwand macht einen deutlich kleineren Teil des Aufwands aus, Ärztinnen und Ärzte sind nur ein kleiner Teil des Personals, und der Ertrag pro Vollzeitstelle liegt deutlich höher. 24 von 26 dieser Kliniken arbeiten auch mit Belegärztinnen und Belegärzten (BAG 2023), die nicht als eigenes Personal zählen. Für einen fairen Vergleich braucht es deshalb die Gruppe gleichen Typs.
Personal und Ertrag enthalten den ambulanten Bereich.
Patienten
Die Fallschwere ist in der Zentrumsversorgung höher als bei den kleineren Grundversorgern. Die chirurgischen Spezialkliniken haben die kürzesten Aufenthalte und mit den übrigen Spezialkliniken den höchsten Anteil an Zusatzversicherten. Die übrigen Spezialkliniken, darunter die geriatrischen, behandeln deutlich länger und haben deshalb wenige Austritte pro Bett. Je spezialisierter ein Spital, desto mehr Patientinnen und Patienten kommen aus anderen Kantonen.
Fragen für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat
- Wie hat sich unser Jahresergebnis 2023 gegenüber Spitälern gleichen Typs entwickelt, und wie viel davon ist einmalig?
- Passt unser Personaleinsatz zur Fallschwere unserer Patientinnen und Patienten?
- Wie hoch ist unser ambulanter Anteil im Vergleich, und sind wir auf die weitere Verlagerung vorbereitet?
- Wie stark hängt unser Ergebnis von Zusatzversicherten und Patientinnen und Patienten aus anderen Kantonen ab?
Was die Zahlen nicht zeigen
- Kleine Gruppen. Die Typen umfassen 12 bis 32 Spitäler. Einzelne Spitäler können den Median verschieben, vor allem bei den Regionalspitälern der Niveaustufe 3.
- Unterschiede, keine Ursachen. Die Kennzahlen zeigen, wo Spitäler stehen, nicht warum. Leistungsangebot, Tarife und gemeinwirtschaftliche Leistungen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton.
- Keine Aussage zur Qualität. Die Ergebnisse der Qualitätsmessungen veröffentlicht der ANQ.
- Belegärzte. Wo Belegärztinnen und Belegärzte arbeiten, sind Personalaufwand und Vollzeitstellen tiefer, der Ertrag pro Vollzeitstelle höher.
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Methode und Quellen
Grundlage sind die Kennzahlen der Schweizer Spitäler 2022 und 2023 des BAG, Fassung 2023. Die Aussagen beruhen auf den Medianen je Spitaltyp. Die Werte für die Vergleichsgruppe Ihres Spitals zeigt der Bericht. Zur Deutschschweiz zählen die deutschsprachigen Kantone, in den zweisprachigen Kantonen entscheidet der Standort. Das Jahresergebnis entspricht dem Ertrag ohne Defizitdeckung abzüglich Aufwand.
Quelle: BAG, Kennzahlen der Schweizer Spitäler 2022 und 2023. Auswertung: spitalkennzahlen.ch.